Zwischen Bundestag und Weihnachtsmarkt: Was ich aus sechs Wochen Bundespolitik für die politische Arbeit in Güntersleben mitgenommen habe.
Als ich Anfang Februar dieses Jahr mein Praktikum im Bundestag bei Bernd Rützel, MdB (SPD) begonnen habe, wollte ich vor allem verstehen, wie politische Arbeit auf Bundesebene funktioniert und was eigentlich hinter den Sitzungen und Entscheidungen steckt, die man sonst nur aus den Nachrichten kennt. Was ich dabei gelernt habe, ging für mich jedoch über diese Frage hinaus: Politik wird von Menschen gemacht, die genauso wie wir nur 24 Stunden am Tag haben, deren Aufmerksamkeit aber gleichzeitig von einer enormen Zahl an Themen und Personen eingefordert wird.
Gerade in Berlin konnte ich das unmittelbar erleben. Sitzungen, Ausschüsse, Gespräche, Besuchergruppen, Veranstaltungen, Presseanfragen, E-Mails und dazwischen die eigentliche politische Arbeit, vieles findet gleichzeitig oder unmittelbar hintereinander statt. Im Paul-Löbe-Haus hatte ich deshalb manchmal das Gefühl, mich in einer eigenen kleinen Stadt innerhalb Berlins zu bewegen, in der sich sehr viele Menschen beruflich mit Politik beschäftigen und ein Thema bereits auf das nächste wartet. Das möchte ich gar nicht bewerten. Es war zunächst einmal eine Beobachtung, die bei mir aber eine Frage hinterlassen hat: Wie bleibt Politik in einem solchen Umfeld mit dem verbunden, was die Menschen außerhalb dieses politischen Raumes beschäftigt?
Meine Zeit im Wahlkreisbüro in Gemünden a. M. hat mir darauf eine andere Perspektive gegeben. Dort kamen Bürgeranfragen an, Menschen riefen an oder kamen persönlich vorbei. Es ging um konkrete Probleme, politische Entscheidungen und Fragen aus dem Alltag. Im Büro wurde recherchiert, sortiert und versucht, eine Antwort zu finden. Gerade diese unmittelbaren Begegnungen haben mir gezeigt, welchen Unterschied politische Arbeit vor Ort machen kann.
Dabei musste ich auch an meine Mutter denken, die hier beim Bäcker Beck arbeitet. Wenn sie morgens zur Arbeit geht, bekommt sie ganz automatisch mit, was ihre Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden beschäftigt. Nicht, weil sie dafür bewusst Gespräche organisieren muss, sondern weil Menschen, die jeden Tag miteinander arbeiten, sich begegnen und ganz selbstverständlich miteinander austauschen.
Vor Ort ist politische Arbeit ein Stück weit ähnlich: Man sieht die Menschen, spricht miteinander und bekommt mit, was sie beschäftigt. In Berlin muss dieser Kontakt stärker hergestellt werden, weil gleichzeitig unzählige andere Themen um Aufmerksamkeit konkurrieren.
Das bedeutet nicht, dass die Menschen im Bundestag nicht wissen, was außerhalb Berlins passiert. Natürlich tun sie das. Aber die Perspektiven der verschiedenen politischen Ebenen sind unterschiedlich und können sich dadurch voneinander entfernen. Wer im Bundestag arbeitet, muss eine Entscheidung für Millionen Menschen betrachten, während man vor Ort viel unmittelbarer erlebt, was eine politische Entscheidung oder ein konkretes Problem für einzelne Menschen bedeutet.
Gerade diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig Rückkopplung in einem politischen System ist. Wenn Entscheidungen in einem so komplexen Umfeld entstehen und Fehler deshalb nie vollständig vermeidbar sind, braucht es Menschen und Strukturen, die zurückmelden, was Entscheidungen vor Ort bedeuten, wo Probleme entstehen und welche Perspektiven in den großen politischen Debatten vielleicht zu wenig vorkommen. Der Gemeinderat gehört genauso dazu wie das Gespräch am Weihnachtsmarkt, ein Verein, ein Wahlkreisbüro oder eine Partei vor Ort. Sie sind keine Konkurrenz zur großen Politik, sondern Teil einer Verbindung, durch die politische Entscheidungen und die Lebenswirklichkeit der Menschen immer wieder aufeinandertreffen.
Dabei darf man diese Ebenen nicht gegeneinander ausspielen. Eine Rentenreform hat selbstverständlich eine andere politische Tragweite als ein Weihnachtsmarkt, ein Seniorenwohnheim oder die Frage, ob ein Verein ein neues Schützenhaus bauen kann. Für den Günterslebener, dessen finanzielle Zukunft von der Rente abhängt, kann die Rentenpolitik aber genauso unmittelbar sein, wie für andere die Frage, ob unsere Vereine bestehen bleiben, ob ein Angehöriger einen Platz im Seniorenwohnheim bekommt oder ob man sich beim Weihnachtsmarkt gemeinsam treffen kann.
Genau darin liegt für mich die Bedeutung politischer Arbeit hier im Ort. Wir können in Güntersleben keine Rentenreform beschließen und auch nicht die großen Entscheidungen der Bundespolitik treffen. Aber wir können dort sein, wo diese Entscheidungen am Ende ankommen. Wir können in Güntersleben, vor Ort, zuhören, Probleme aufnehmen, Menschen zusammenbringen und dafür sorgen, dass Politik nicht nur aus Entscheidungen besteht, sondern auch aus dem Miteinander, das eine Gesellschaft trägt.
Dabei haben politische Parteien hier in Güntersleben, wie wir als SPD und die CSU, eine besondere Möglichkeit: Sie sind Teil größerer politischer Organisationen und verfügen damit über direkte Kommunikationswege zwischen Kommune, Land und Bund. Erfahrungen und Anliegen aus Güntersleben und anderswo können in die höheren Ebenen getragen werden, während politische Debatten und Entscheidungen aus diesen Ebenen wieder hier im Ort ankommen.
Das bedeutet nicht, dass lokale Interessen automatisch mit den Positionen der eigenen Partei auf der höheren politischen Ebene übereinstimmen müssen. Gerade weil unterschiedliche Interessen und Perspektiven bestehen können, ist der Austausch untereinander wichtig. Die Verbindung innerhalb einer Partei macht diesen Austausch direkter, leichter und regelmäßiger möglich. Das ist meiner Meinung nach notwendig, denn auch wir vor Ort konkurrieren mit all den anderen Kommunen und Themen auf den höheren politischen Ebenen um Aufmerksamkeit.
Nach sechs Wochen bleibt bei mir kein eindeutiges Urteil über Politik in Berlin zurück. Ich habe gesehen, mit welchen finanziellen und personellen Ressourcen Abgeordnete arbeiten können. Sie haben Unterstützung und Möglichkeiten, die wir in unserem normalen Arbeitsalltag schlicht nicht haben. Gleichzeitig habe ich viele Menschen aus den Parteien der demokratischen Mitte kennengelernt, die mit großem, ehrlichem Einsatz unter enormem Zeit- und Entscheidungsdruck, in diesem ausgesprochen anspruchsvollen Umfeld arbeiten. Je länger ich die Abläufe erlebt habe, desto mehr wurde mir klar, dass ein Teil dieser Ressourcen auch notwendig ist, um die Vielzahl an Aufgaben und Anforderungen überhaupt bewältigen zu können. Diese Ressourcen machen politische Arbeit aber nicht fehlerfrei, denn auch unter diesen Bedingungen bleiben Menschen Menschen. Genau das hat Politik für mich greifbarer und zunächst einmal menschlich gemacht.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus Berlin mit nach Hause genommen habe: Unser politisches System ist nicht perfekt. Es ist kompliziert, manchmal langsam und macht Fehler. Aber es gibt uns freie Wahlen, verteilt politische Macht auf verschiedene Ebenen und Institutionen und ermöglicht es, Regierungen zu kritisieren, Entscheidungen zu verändern und politische Verantwortung wieder abzugeben. Gerade im Vergleich zu einem System, in dem politische Macht nicht frei gewählt, kontrolliert oder friedlich abgelöst werden kann, sind das für mich keine Selbstverständlichkeiten. Ich halte unser demokratisches System deshalb trotz seiner Schwächen für schützenswert. Die Möglichkeiten, die unsere Demokratie bietet, sind aber kein Selbstläufer. Sie funktionieren nur, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, sich einzubringen, Entscheidungen zu hinterfragen und unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden.
Es braucht Menschen, die sich mit Rentenreformen beschäftigen. Und es braucht Menschen, die einen Weihnachtsmarkt, einen Ostermarkt, ein Glühweinabend oder ein Maternusfest organisieren, ob politisch oder nicht. Denn die Ebenen haben unterschiedliche Aufgaben und unterschiedliche Konsequenzen, aber sie brauchen einander. Und genau deshalb braucht es engagierte Menschen auf jeder Ebene. Engagement garantiert zwar (leider) keine guten Entscheidungen. Aber ohne Menschen, die unterschiedliche Erfahrungen einbringen, gibt es auch keine demokratische Kontrolle und keine Verbindung zwischen politischen Ebenen und Lebenswirklichkeit.
Bis Ende März habe ich viel aus diesem Praktikum mitgenommen, durfte viele Menschen aus der Politik kennenlernen und einzigartige Erfahrungen sammeln. Dafür bin ich sehr dankbar. Gerade jungen Menschen aus Güntersleben, die sich für Politik interessieren, möchte ich deshalb Mut machen, sich für ein solches Praktikum zu bewerben. Ob noch in der Schule, freiwillig oder im Studium, ob mit oder ohne Parteibuch: Solche Möglichkeiten sind nicht unerreichbar.
Vielleicht beginnt politische Beteiligung genau damit, dass man sich das einmal selbst anschaut.
Antonio Zeitz, Stellv. Vorsitz SPD Güntersleben
JUSOS Güntersleben
(Bild: Antonio Zeitz) Begegnung mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius während meines Praktikums im Bundestag.
🌿 Natur erleben – Führung zur naturnahen Beweidung
Wie prägt Beweidung unsere Landschaft? Welche Bedeutung haben Schafe, Rinder und andere Weidetiere für den Erhalt der Artenvielfalt? Und warum sind naturnah bewirtschaftete Wiesen und Weiden so wichtig für Pflanzen, Insekten und Vögel?
Diesen und vielen weiteren Fragen widmet sich Christiane Brandt, Gebietsbetreuerin Muschelkalk der Landschaftspflegeverbände Würzburg und Main-Spessart, bei einer spannenden Führung durch die Günterslebener Flur.
Naturnahe Beweidung leistet einen wichtigen Beitrag zum Natur-, Boden-, Wasser- und Klimaschutz. Gleichzeitig schaffen Weidetiere vielfältige Lebensräume für zahlreiche heimische Tier- und Pflanzenarten. Auch für uns Menschen sind artenreiche Wiesen und Weiden wertvolle Erholungsräume und prägen das Landschaftsbild unserer Heimat.
Wir laden alle Interessierten herzlich ein, gemeinsam mehr über die Zusammenhänge zwischen nachhaltiger Landwirtschaft, Artenvielfalt und Landschaftspflege zu erfahren.
📅 Termin: Freitag, 25. September 2026, 16:00–18:00 Uhr 📍 Treffpunkt: Parkplatz an der Schrann, Höhenfeldplatte Thüngersheim
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer!
Als ich am 8. November in unserer Maternus-Kirche saß und der Musikverein das Lied „Baba Yetu“ spielte, war ich einfach glücklich. Dieses Stück hatte ich schon einmal beim ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung des Tags der Franken in Haßfurt gehört und schon damals hat es mich tief beeindruckt. Ich fand es wunderbar, dass unser Musikverein, aber auch die Kirche im Generellen, in einer so traditionsreichen Einrichtung den Mut hat, Neues zu wagen. Baba Yetu stammt ursprünglich aus dem Videospiel Civilization IV und bedeutet auf Kiswahili „Vater unser“. Trotz dieser modernen Herkunft, oder vielleicht gerade deshalb, passte es auf eine erstaunlich schöne Weise in diesen Rahmen.
Während ich dort saß, kam mir der Gedanke, wie gut sich hier Tradition und Fortschritt verbinden. Und ich fragte mich, ob uns das auch in anderen Bereichen gelingt, bei mir selbst oder bei uns im SPD-Ortsverein Güntersleben.
Noch im November steht wieder unser Weihnachtsmarkt an. Wenn dieser Artikel erscheint, liegt er wahrscheinlich schon hinter uns. Seit der 900-Jahrfeier organisieren wir von der SPD diesen Markt, zuerst gemeinsam mit anderen, später allein. Er ist längst zu einer kleinen, liebgewonnenen Tradition geworden. Wir in Güntersleben kommen zusammen, um gemeinsam zu essen, zu trinken, zu reden und zuzuhören.
Der Weihnachtsmarkt ist nun aber längst nicht die einzige Aktion, die der Ortsverein plant oder geplant hat. Wenn man nur 50 Jahre in die Vergangenheit blickt, findet man beginnend mit 1976 die SPD-Disco, die Theaterfahrten, die Umwelttage oder Open-Air-Konzerte. Nun haben sich einige Dinge auch verändert. Die Nachfrage ist gesunken, Akteure sind verschwunden oder hinzugekommen, der Zeitgeist ist ein anderer. Kurz: Wir haben uns immer wieder verändert, angepasst, Neues ausprobiert, aber auch Bewährtes weitergeführt. Heute sind wir mit dem Weihnachtsmarkt, dem Ostermarkt und der Putz-Munter-Aktion aktiv. Wie jeder andere Verein sind auch wir beim alljährlichen Ferienprogramm dabei. Das ist eigentlich genau das, was Fortschritt im besten Sinne bedeuten kann: nicht alles neu erfinden, sondern den guten Kern weitertragen und mit der Zeit gehen. Und dieser gute Kern bedeutet für uns, Angebote für alle in Güntersleben zu schaffen, mit dem Ziel, das Dorfleben mit unseren Beiträgen lebendig zu halten.
Obwohl wir das machen, sagen einige scherzhaft „die Roten“, so, als kämen wir von weit her. Aber tatsächlich ist unser Ortsverein nicht nur durch seine Aktionen tief in Güntersleben verwurzelt. Schon seit 1919 gibt es uns hier im Ort, damit sind wir Günterslebens ältester politischer Verein. Ob Gründungsmitglieder, Gemeinderäte, Mitglieder oder Unterstützer, diese Familien waren und sind seit jeher bei uns dabei:
Wir sind die älteste und damit auch traditionsreichste Gruppierung im Ort, oder? Das Vermitteln dieses Wissens selbst wäre per Definition Tradition.
Nach kurzer Recherche zeigt sich: Tradition ist nichts Statisches. Sie lebt davon, dass Menschen ihr Wissen und ihre Haltung, ihre Werte und Handlungen weitergeben, in den Familien, in den Vereinen und auch in der Ortspolitik. Doch kein Mensch ist gleich, nicht jedes Kind wie seine Eltern. Das heißt, unsere Tradition ist uns, den Menschen in Güntersleben, überlassen.
Tradition zu erhalten (conservare – daher stammend „konservativ“) steht für uns alle außer Frage. Wir in Güntersleben pflegen unsere Vereine, unsere Denkmäler, unseren Dialekt und unsere Bräuche und unsere Geschichte. Ob das Maternusfest, das Leiern, das Sternsingen, die Faschingszüge, der Neujahrsempfang, das alles erhalten wir aus eigenem Antrieb. Tradition kann nicht von jemandem eingenommen werden, Tradition ist ein Teil unseres gemeinsamen Selbstverständnisses, etwas, das wir alle vor Ort miteinander tragen und leben.
Dabei ist uns aber eins wichtig: Tradition darf nicht zur Ausrede werden, um stehen zu bleiben. Sie ist eben dann am lebendigsten, wenn sie sich mit der Zeit bewegt. Güntersleben hat das immer bewiesen und wir als Ortsverein tragen diesen Gedanken in uns. Wir halten fest, was unser Dorf ausmacht, und gehen offen auf Neues zu. Wir schauen nach vorn, ohne die Wurzeln zu vergessen. Dieses Gleichgewicht zwischen Bewahren und Verändern prägt unser Zusammenleben in Güntersleben. Es zeigt sich in unseren Vereinen, in unserem Engagement und in unserer Haltung zueinander.
Einen wichtigen Teil dazu tragen auch all jene bei, die in den vergangenen Jahrzehnten neu nach Güntersleben gekommen sind. Nicht alle in unseren Reihen sind hier geboren, viele haben ihren Weg erst später zu uns gefunden und sich aktiv eingebracht. Und gerade dieser Mix tut unserem Ort gut. Güntersleben lebt von diesem Zuzug. Dabei bringen die Verwurzelten die Traditionen ein, die Neuen frische Impulse und neue Perspektiven. Beides zusammen ergibt eine Gemeinschaft, in der Tradition und Fortschritt nicht gegeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig stärken.
Also ja, Tradition und Fortschritt lassen sich verbinden, auch bei uns im Ortsverein. Wir erhalten den kulturellen, traditionellen Kerngedanken von Güntersleben, aber wir passen uns an, wenn es Veränderungen gibt. Wir verschließen uns nicht, sondern gestalten mit, so wie es hier schon immer passiert ist.
Als ich an diesem Abend die Kirche verließ, klangen die letzten Töne von Baba Yetu noch in mir nach. Ich dachte daran, wie viel Bewegung und Leben in diesem Lied stecken und wie sehr das zu unserem Ort passt. Güntersleben ist gewachsen aus seiner Geschichte, aber immer offen geblieben für Neues. Und genau dafür stehen auch wir. Für ein Güntersleben, dass seine Tradition bewahrt und seinen Fortschritt lebt.
Die Sitzung des Gemeinderats nach der Sommerpause hatte eine umfangreiche Tagesordnung und lockte zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer in den Sitzungssaal. Ein wesentlicher Grund war der Antrag des Ersten Bürgermeisters auf Beendigung seiner Amtszeit zum 30. April 2026.
Antrag des Bürgermeisters
Um die Amtszeit des Bürgermeisters mit der des Gemeinderats nach über 20 Jahren wieder zu harmonisieren, stellte Michael Freudenberger Ende August den Antrag auf Beendigung seiner Amtszeit. Über diesen Antrag hatte der Gemeinderat nun zu entscheiden.
Durch die Angleichung der Amtszeiten wird eine bessere und langfristigere Zusammenarbeit möglich. Künftig findet nur noch eine Wahl in sechs Jahren statt und nicht mehr alle drei Jahre ein Wahlkampf. Dies bedeutet weniger Aufwand, weniger Kosten und weniger Belastung für Verwaltung und politische Gruppierungen.
Auch die Nachvollziehbarkeit und Planbarkeit von Entscheidungen erhöht sich und kommt den Bürgerinnen und Bürgern zugute. Personalwechsel im Gremium bleiben innerhalb der Wahlperiode die Ausnahme.
In unserer Gruppierung wurde das Für und Wider intensiv diskutiert. Wir haben Vor- und mögliche Nachteile sorgfältig abgewogen und uns kritisch ausgetauscht. Im Ergebnis waren für uns keine Nachteile erkennbar. Deshalb haben wir dem Antrag zugestimmt.
Die Entscheidung wurde durch eine frühzeitige, transparente und ehrliche Kommunikation zwischen Bürgermeister und den Gruppierungen im Gemeinderat vorbereitet. Der Ablauf und die notwendigen Schritte waren für alle Beteiligten jederzeit klar. Dafür möchten wir uns ausdrücklich bedanken.
Mit Freude blicken wir nun auf die Kommunalwahl 2026.
Vorstellung des Schützenvereins
Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Tagesordnung war die Vorstellung des Schützenvereins zum Bau einer neuen Schießstätte mit Schützenheim.
Für dieses Projekt bat der Verein um finanzielle Unterstützung sowie um die Gewährung einer Bürgschaft für eine Kreditaufnahme. Auch hier fanden intensive Vorgespräche statt. Kurz vor und während der Sitzung gingen von unserer Fraktion noch Nachfragen an Verwaltung und Schützenverein ein.
Der Schützenverein stellt einen wichtigen Pfeiler im Günterslebener Vereinsleben dar und trägt entscheidend zu einer lebendigen Gemeinschaft bei. Dies wurde von allen Seiten hervorgehoben und anerkannt.
Eine Vereinsförderung von bis zu 125.000 Euro in zwei Jahren muss jedoch gut begründet und nachvollziehbar sein. Auch bei der Gewährung einer Bürgschaft in Höhe von 285.000 Euro braucht das Gremium die Gewissheit, dass Ausfallrisiko und Konditionen verlässlich und kalkulierbar sind.
Obwohl zahlreiche Nachfragen in der Sitzung geklärt werden konnten, blieben manche Punkte offen. Aus diesem Grund hat ein Teil der SPD-Fraktion gegen den Beschlussvorschlag gestimmt. Dies bedeutet jedoch keine grundsätzliche Ablehnung der Förderung des Schützenvereins. Vielmehr hätte man sich eine erneute Beratung mit weiteren Informationen in einer der kommenden Sitzungen gewünscht.
Die letzte Sitzung vor der Sommerpause hatte für den Gemeinderat nochmal eine umfassende und abwechslungsreiche Tagesordnung parat.
Mit knapper Mehrheit wurden dem Projekt „Wir musizieren“ zugestimmt. Dabei kooperieren der Musikverein Güntersleben, die Sing- und Musikschule Würzburg sowie die Grundschule Güntersleben, um die Grundschüler der 2. Klasse musikalisch im Rahmen des Regelunterrichts zu fördern.
Zwar stehen wir als SPD-Fraktion dem Projekt absolut positiv gegenüber und erkennen die große Leidenschaft und das besondere Engagement für das Projekt, insbesondere beim Musikverein Güntersleben.
Aus verschiedenen Gründen haben wir dennoch dagegen gestimmt.
Die aktuelle Kassenlage der Gemeinde ist stark angespannt und wird sich in den kommenden Jahren auch nicht wesentlich verbessern. Es kommen große finanzielle Herausforderungen auf die Gemeinde zu und diese erfordern strenge Haushaltsdisziplin. Aus diesem Grund ist es für uns nicht angezeigt, die freiwilligen Leistungen weiter auszuweiten. Auch bei relativ überschaubaren Kosten von ca. 2.500 Euro pro Jahr.
Zudem ist grds. der Freistaat Bayern für die personelle Ausstattung der Schulen zuständig, vernachlässigt hier aber verstärkt seine Pflicht, wenn er Schulstunden in manchen Bereichen kürzt oder Prioritäten verschiebt. Wir als kleinste kommunale Instanz wollen, insbesondere unter der angespannten Kassenlage, nicht für die Versäumnisse einspringen und die Kosten übernehmen. Mit dem Projekt „Wir musizieren“ übernimmt die Gemeinde freiwillig Aufgaben des Freistaats Bayern, obwohl wir „lediglich“ Sachaufwandsträger der Schule sind.
Eine vergleichbare freiwillige Aufgabe ist die Jugendsozialarbeit an Schulen, welche ab dem kommenden Schuljahr mit der Jugendhilfe Creglingen fortgeführt wird. Auch hier finanziert die Gemeinde Schulpersonal, wofür eigentlich der Freistaat Bayern zuständig ist. Ohne diese Fachkraft wäre jedoch das pädagogische Konzept der Grundschule in Güntersleben gefährdet.
Die Kinder können sich bei Problemen im schulischen oder privaten Bereich an die Kraft wenden und so niederschwellig und ohne große Hürde Hilfe in Anspruch nehmen. Auch für das Lehrpersonal fungiert die Kraft als Ansprechpartnerin, wenn Kinder Auffälligkeiten zeigen und sich Hilfebedarf abzeichnet.
Konkrete Zahlen wurden dem Jugend-, Kultur- und Sozialausschuss im Vorfeld dargelegt, die eindrücklich die Bedeutung und Notwendigkeit solch einer pädagogischen Kraft in der Schule aufgezeigt haben. Im Gegensatz zum oben genannten Projekt geht es hier um wichtige Belange und Bedürfnisse der Kinder, die für uns existenziellen Charakter haben.
Trotz einer Gegenstimme aus unserer Fraktion wurde der Weiterführung des Projekts mit großer Mehrheit zugestimmt.